Feuerlaufen und Physik

Tatsache ist: Feuerlaufen ist nicht ungefährlich! Es wurde viel darüber geschrieben und spekuliert, warum der Feuerlauf funktioniert und warum man sich dabei verbrennen kann oder nicht. Die eigene Erfahrung damit ist entscheidend.
Es gab einige physikalische Versuche, um den Feuerlauf zu entmystifizieren – doch warum sich von einer Gruppe Menschen, die alle unter den gleichen Bedingungen einen Feuerlauf durchführen, sich vielleicht einer verbrennt und die anderen nicht, konnte auch von den Physikern nie wirklich erklärt werden.

1. Die Wasserdampftheorie oder der Leidenfrost-Effekt
Der Physiker Dr. J. Walker erklärte, dass zwischen unseren Fußsohlen und den glühenden Kohlen ein Wasserfilm entsteht, der dafür verantwortlich sein soll, dass unsere Füße nicht direkt mit der Hitze in Berührung kommen könnten, der sogenannte Leidenfrost-Effekt:
Dieser Effekt kann leicht bei einer heißen Herdplatte beobachtet werden, auf die man einen Tropfen Wasser fallen lässt. Ist die Temperatur der Oberfläche hoch genug, um eine rasche primäre Verdampfung zu erreichen, so schwebt oder gleitet der Wassertropfen auf einem Dampfpolster, der ihn vor der direkten Wärmeübertragung isoliert. Der Dampf ist unter dem Wassertropfen gefangen und entweicht nur langsam. Gleichzeitig entsteht neuer Wasserdampf und der Tropfen gleitet über dem heißen Material.
Ein Leidenfrost-Effekt aus Fußschweiß reicht jedoch bei weitem nicht aus, um das Körpergewicht eines Menschen zu tragen. Dr. J. Walker hat diese Theorie aufgegeben nachdem er sich einige Male selbst verletzt hatte beim Feuerlaufen.

2. Wärmekapazität und Wärmeleitfähigkeit
Die Leitfähigkeit von Kohle, Luft und Eisen sind verschieden. Dies gilt für unbewegliche Objekte! Wärmekapazität und Wärmeleitfähigkeit sind die beiden wichtigsten Faktoren, die ein Feuerlaufen ohne Verbrennungen ermöglichen können. Holz und Kohle sind schlechte Wärmeleiter und haben eine geringe Wärmekapazität, ebenso die Asche, die die Glut umgibt. Deshalb kann Kohle Gegenstände, die sie berühren, nur langsam erhitzen, insbesondere Gegenstände aus Material mit hoher Wärmekapazität und niedriger Wärmeleitfähigkeit wie etwa Wasser, dem Hauptbestandteil des menschlichen Körpers.

Experiment: Wir nehmen einen mit Wasser gefüllten Pappbecher und erhitzen diesen mit einer Flamme. So lange das Wasser nicht verdampft ist, bleibt der Becher ganz, weil das Wasser den Becher permanent herunterkühlt und so das Papier des Bechers nicht brennt.

Wenn wir beim Feuerlauf entspannt sind und uns nur auf unsere Füße konzentrieren, bleibt das Blut in unserem Körper im Fluss und wird immer an jene Stelle geschickt, wo der Körper Kühlung benötigt, also auf ca. 36 Grad. Dies, weil sich der Geist in der lebendigen Materie befindet und gewisse Reaktionen verhindert. Der Geist ist die Variable, der den Energiefluss im Körper bewirkt.

4. Kontaktzeit und Gewichtsverteilung
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Kontaktzeit der Füße mit der Glut: Idealerweise geht der Feuerläufer zügig über die Glut, so dass die Füße bei jedem Schritt den heißen Boden nur kurz (weniger als eine halbe Sekunde) berühren. Zu langsames Gehen erhöht die Gefahr von Verbrennungen, man sollte andererseits aber auch unter keinen Umständen laufen oder gar rennen.

Hierdurch würde das Körpergewicht zwangsläufig auf die Zehenspitzen und Fußballen verlagert werden, was zur Folge hätte, dass bei gleicher Masse (des Körpers) eine kleinere Fläche des Fußes mit den glühenden Kohlen in (intensiveren) Kontakt käme.

5. Lokales Löschen des Feuers durch Sauerstoffentzug
Wegen des Blockierens der Sauerstoffzufuhr durch den Fuß mit der Kohle wird die Verbrennung kurzfristig unterbrochen, so dass momentan keine neue Hitze mehr entsteht. Durch den Wärmeaustausch der Glut mit dem Fuß fällt außerdem die Temperatur der Kohle unter den Flammpunkt, so dass die Verbrennung auch nach Ende des Kontaktes nicht sofort wieder einsetzt. Das bewirkt, dass der Feuerläufer “kalte Fußspuren” hinterlässt. Während eines Feuerlaufrituals, bei dem im Kreise über den Glutteppich getanzt wird, wird die Glut auch mit der Zeit ausgetreten, sodass Feuerläufer üblicherweise am Anfang schneller darüber tanzen.